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Designhauptstadt München: Kick-Off MCBW 2018

Nach der MCBW ist vor der MCBW! Wer es noch nie gehört hat: MCBW steht für »Munich Creative Business Week«, und die findet seit 2012 jährlich über einen Zeitraum von 10 Tagen im Februar oder März statt.

Ist gefühlt noch gar nicht lange her, dass die Stadt in den kühlen ersten Märztagen diesen Jahres brummte mit 65.000 Besuchern, 236 Events, 432 Sprechern, 206 Partnern und 55 Creative Spots. In den letzten Jahren hat sich die MCBW prächtig entwickelt: Die genannten Zahlen haben sich seit 2012 verdoppelt, bei den Besucherzahlen sogar vervierfacht. Ein Professionalisierungsgrad und eine Reichhaltigkeit des Programms, die die »Nachtschicht«-Kollegen aus Berlin vor Neid erblassen lassen müssen.

Gestern fand nun das erste Auftakttreffen für die MCBW 2018 statt, im Ernst-von-Siemens-Auditorium der Pinakothek der Moderne. Ein paar Wochen Vorlauf vor der Sommerpause, den Partner, die eine Teilnahme planen, auch brauchen. Denn am 6. Oktober 2017 ist bereits wieder Abgabetermin für die Exposés der teilnehmenden Partner.

»München als Designhauptstadt«

Die MCBW hat sich zum echten Bedeutungsträger entwickelt, der das Thema Design in München sichtbar macht. Die Kleinteiligkeit der hiesigen Kreativ- und Agenturszene braucht eine solche Plattform, um Design als großes Bild sichtbar werden zu lassen. Mittlerweile ist das Event durch seine stete Entwicklungsarbeit und seine mittlerweile unübersehbare Größe nicht mehr nur eine »Veranstaltung für die Branche«, sondern auch ein »Fenster zur Welt«, wie es Dr. Klaus-Peter Potthast vom Bayrischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, nennt. Und interessanterweise entwickelt sich so auch aus der internationalen Perspektive ein Abstrahleffekt: in der Wahrnehmung von Außen ist durch die erfolgreiche Arbeit der MCBW nicht nur München oder Bayern der Designstandort, sondern Deutschland als Ganzes.

Für diese Orientierung nach Außen, über den Tellerrand hinaus, steht auch Geraldine Knudson, Chefin des Münchner Tourismusamtes. Sie nutzte gestern die Gelegenheit, ihr durchaus designaffines, neues Vermarktungskonzept rund um das Thema »Licht« vorzustellen. Der Zusammenhang mit den Themen der MCBW ist leicht hergestellt, steht das Licht im übertragenen Sinn für die Inspiration und lässt sich zudem architektonisch und künstlerisch im öffentlichen Raum extrem gut inszenieren. Bekannt sind in diesem Zusammenhang der Münchner Lichtdesigner Ingo Maurer, der Lichtkünstler Dan Flavin, der München und dem Lenbachhaus Zeit seines Lebens in besonderer Weise verbunden war, oder James Turell, dessen Lichtinstallationen die unterirdischen Passagen beleuchten, die die Gebäude der Münchner Rück in Schwabing verbinden. Selbstverständlich darf auch Thomas Manns berühmter Ausspruch »München leuchtet« hier nicht fehlen. Knudsons Anliegen ist generell, nicht weiter auf Münchens ewigen Steckenpferden Brezn, Bier und Oktoberfest herumzureiten, sondern mit Kunst, Kultur und Innovation »der Kreativität in München und außerhalb Münchens mehr Gesicht zu verleihen«.

Bedeutung von Design für Unternehmen

Im Titel der »Munich Creative Business Week« wurde augenscheinlich programmatisch die Relevanz für und Nähe zu den Unternehmen angelegt. In der Vergangenheit zeigte sich diese Vernetzung beiderseits als schwierig. Die nerdige Designszene blieb notorisch lange gerne unter sich. Und einige deutsche Unternehmen haben sicher noch Nachholbedarf, ein tiefes Verständnis und Bewusstsein für Design als Asset zu entwickeln. Nicht nur als nette, augenschmeichlerische Begleiterscheinung oder als Kaufgrund für übersättigte Premium-Zielgruppen. Sondern zum einen als Interface, um eine Beziehung mit dem Menschen aufzubauen (User Experience Design), zum anderen als Denkweise, die mehrdimensional und agil in der Lage ist, der Komplexität heutiger Aufgabenstellungen zu begegnen. Hasso Plattner, Gründer von SAP, hat hier durch die Arbeit des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam das Thema »Design Thinking« in deutschen Unternehmen salonfähig gemacht (wofür er dieses Jahr den German Design Award des Rats für Formgebung erhielt).

Umso wichtiger für die MCBW ist die Unterstützung durch die beteiligten Unternehmen, allen voran die BMW Group, sowie der München-Neuling Steelcase, aber auch Microsoft.

München wird immer interessanter als Standort für Unternehmen, die Design in unterschiedlicher Weise in ihrer Unternehmens- und Produktstrategie verankert haben.  Ihre besondere Stärke bezieht die Stadt aus ihrem Mix an alten und neuen Unternehmen. IBM bspw. eröffnete in München 2015 das »Watson IoT Global Headquarters«, Steelcase 2016 ein Learning + Innovation Center im Brienner Forum, dem ehemaligen E.ON Headquarters. Ebenfalls 2016 zog auch Microsoft von Oberschleißheim in die Münchner Innenstadt, um gleichzeitig ein IOT und AI Insider Lab im Lehel zu eröffnen.

Eine superinteressante Innovation- und Tech-Map von München gibt es hier.

Design und Technologie

Microsoft war bereits 2017 als Programmpartner mit der Hololens im MCBW Forum vertreten. Interessant war das kurze Gespräch auf der Bühne zwischen Frank Maenz, Marketingmanager Microsoft, und Dr. Silke Klaus. Stellt Microsoft sozusagen den Prototyp des Unternehmens dar, für das der Aspekt »Design« in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, vor allem im Bereich User Interface und User Experience Design.

Und das ist der Knackpunkt: Die Digitalisierung verstärkt die Rolle und die Einflussbereiche von Design. Wie schon in meinem Artikel »Designer! Raus aus der Komfortzone!« beschrieben ist Design, gepaart mit strategischem Denken und technologischer Kompetenz, in der Lage, die Herausforderungen des digitalen Zeitalters anzupacken (https://www.juliapeglow.com/designer-komfortzone/). In gleichem Maße steigt auch die Bedeutung von Design für Unternehmen in Verbindung mit Technologie. Die gehypten Design Skills sind heute User Interface Design und User Experience Design; derzeit gibt es in Deutschland laut Google 28.000 zu besetzende UX-Design-Stellen. Entsprechend richtig bezeichnet Dr. Silke Claus die Digitalisierung auch als »Triebfeder« der MCBW. Und entsprechend wichtig ist es eben auch, das Format in Richtung Technologie weiterzuentwickeln.

Neue Strukturen für mehr Orientierung

Die MCBW hat sich in den letzten Jahren fantastisch entwickelt. Zuletzt war das Problem laut der Besucherbefragungen deshalb auch eher ein Luxusproblem: Zu viel. Und daher zu unübersichtlich.

Entsprechend haben die Organisatoren, auf dem Event vertreten durch Dr. Silke Claus, Geschäftsführerin bayerndesign und Sabine Unger, Projektleiterin der MCBW, in den vergangenen Monaten vor allem an der Struktur des Programms gearbeitet. Erste Maßnahme war, Bereiche auszuarbeiten, damit Programmpartner im Vorfeld genauso wie Besucher einfacher Themen und Angebote finden, die zu ihnen passen.

Die grundsätzliche Einteilung von Programmpunkten für die breite, designinteressierte Öffentlichkeit findet sich so zukünftig unter dem Label »DESIGN SCHAU!«. Die Creative Professionals, Unternehmen, Agenturen, Design-Studios laufen in Zukunft im Bereich »CREATE BUSINESS!«, mit den Formaten »Design Dialogs« und »MCBW Start-Up«.

Weiterhin sind echt tolle Formate geplant (ob sie es zu MCBW 2018 schaffen noch unklar): ein neues Konferenzformat, der MCBW Creative Summit, eine Tech-Design-Konferenz, um das Thema Design auf C-Level zu bringen: Mehr Einfluss für Design, mehr Design Thinking für Unternehmen in der Chefetage.

Auch ganz toll ist der zukünftige Fokus auf Nachwuchsarbeit: »Matching Talents« und »Young Professionals« für Recruiting und Präsentationsmöglichkeiten für Hochschulen. Unternehmen, aber auch die Hochschulen, müssen sich um den Nachwuchs kümmern.

Die nächste MCBW findet vom 3. – 11. März 2018 statt.

www.mcbw.de

MCBW 2018

MCBW 2018

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